ForscherInnen schätzen, dass jeder Mensch hat etwa genauso viele Mikroorganismen in und auf sich, wie er Körperzellen hat. Bis zu 90 % der Darmbakterien gehören den Bakterienabteilungen Firmicutes und Bacteroidetes an. Die restlichen Bakterienarten verteilen sich hauptsächlich auf Actinobacteria, Proteobacteria, Fusobacteria und Verrucomicrobia. (Neue Namen: Bacillota, Bacteroidota, Actinomycetota, Pseudomonadota, Fusobacteriota, Verrucomicrobiota). (1)
Gramnegative Bakterien, wie Pseudomonadota kommen in geringem Ausmaß in der gesunden Darmflora vor. (2) Jedoch können derartige Bakterien auch schaden, wenn sie übermäßig auftreten. Das Darmmikrobiom ist keineswegs statisch, sondern wird im Laufe des Lebens kontinuierlich durch die Umwelt geformt, vor allem durch die Ernährung. (1) Im Darm können sie das immunologische Gleichgewicht der Darmschleimhaut stören und akut oder chronisch die Produktion von Entzündungsbotenstoffen induzieren.
Gramnegative Bakterien wie Pseudomonadota verfügen über eine Art "molekulare Spritze" - das Typ-III-Sekretionssystem mit der sie Proteine direkt in die Wirtszellen injizieren können. So können sie Wirtszellen manipulieren, oder z.B. die Immunantwort hemmen, was schon seit längerem bekannt ist. (3)
Das Forscherteam konnte nun mit ihren Untersuchungen zeigen, dass 80 % der Pseudomonadota auch aus gesunden Darmmikrobiomen ebenfalls diese intakten Typ-III-Sekretionssysteme (T3SS) aufweisen. Für ihre Untersuchungen kartierte das Forschungsteam über tausend Interaktionen zwischen bakteriellen Effektorproteinen und menschlichen Proteinen und erstellte so ein groß angelegtes Interaktionsnetzwerk. Die Analysen zeigten, dass bakterielle Proteine bevorzugt auf menschliche Signalwege abzielen, die an der Immunregulation und dem Stoffwechsel beteiligt sind. Weitere in vitro-Laborversuche bestätigten, dass diese Proteine zentrale Signalwege des Immunsystems modulieren können.
Die Befunde könnten, so heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung zur Veröffentlichung, erklären, in welchem Maße Veränderungen der Darmflora entzündliche Erkrankungen, darunter Morbus Crohn, begünstigen.
Originalpublikation:
Young, V., Dohai, B., Halder, H. et al. (2026). Effector–host interactome map links type III secretion systems in healthy gut microbiomes to immune modulation. Nat Microbiol. https://doi.org/10.1038/s41564-025-02241-y
Quelle und weitere Informationen:
https://www.helmholtz-munich.de/newsroom/news/artikel/mehr-als-mitbewohnende-wie-darmbakterien-immunreaktionen-steuern
Weitere Informationen:
(1) Synlab (2026). Darmmikrobiom-Diagnostik. Online: https://www.synlab.de/human/fuer-aerzte/fachinformationen/medizin/darmmikrobiom-diagnostik
(2) Plomp, N., Gacesa, R., Slager, J. et al. Synergy between culturomics and metagenomics of health status-associated gut bacteria originating from non-IBD and IBD populations. Sci Rep 15, 45469 (2025). https://doi.org/10.1038/s41598-025-29138-4
(3) Kubori T, Galán JE. Salmonella type III secretion-associated protein InvE controls translocation of effector proteins into host cells. J Bacteriol. 2002 Sep;184(17):4699-708. doi: 10.1128/JB.184.17.4699-4708.2002. PMID: 12169593; PMCID: PMC135284.
Dr. rer. nat.
Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Rheinland-Pfalz e.V.