Montag, 09 Februar 2026 15:15

rFC-Assay: Standardmethodenwahl unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien Empfehlung

Ein Forschungsteam des Unternehmens ACROBiosystems hat eine umfassende Vergleichbarkeitsstudie zwischen dem LAL-Test und dem firmeneigenen rFC-Assay mit mehreren repräsentativen Probentypen durchgeführt. Die Ergebnisse liefern Daten und bestätigten eine hohe Vergleichbarkeit der beiden Methoden unter realistischen Testbedingungen. 

Hersteller von Arzneimitteln, wie Insulin, Impfstoffen oder Implantaten, nutzen seit den 70er Jahren das hellblaue Blut des Pfeilschwanzkrebses im LAL-Test. Es dient zum Nachweis von Endotoxinen, d.h. beispielsweise Zerfallsprodukte von Bakterien, die immunologische Reaktionen beim Menschen auslösen können. Der LAL-Test (Limulus-Amöbozyten-Lysat-Test) ist in Europa noch immer zum Nachweis bakterieller Endotoxine (Pyrogene) in Arzneimitteln, Medizinprodukten und Impfstoffen erlaubt. Darin wird ein Pro­enzym aus Amö­bo­zyten des Blutes vom Atlantischen Pfeilschwanzkrebs (Limulus polyphemus) genutzt. Der LAL quantifiziert die bakteriellen Endotoxine auf Medizinprodukten, die mit dem Liquor oder dem kardiovaskulären System in Kontakt kommen könnten. 

Aufgrund des hohen Einsatzes von Pfeilschwanzkrebsen (Limulus polyphemus) werden synthetische Alternativen wie der rFC-Test (recombinant Factor C-Test) zunehmend wichtiger. Noch 2024 sollen allein an der Ostküste der USA ca. 550.000 Pfeilschwanzkrebse aus dem Meer gezogen worden sein, um ihnen bis zu 30% ihres blauen Bluts abzuzapfen. Die Tiere werden nach der Blutentnahme zwar zurück ins Meer gebracht, man geht jedoch davon aus, dass mindestens 10 bis 30 Prozent der Pfeilschwanzkrebse während der Blutentnahme oder des Transports sterben. (2) 

Die Verwendung des rFC oder des LAL liegt in der Verantwortung des anwendenden Unternehmens
Im Europäischen Arzneibuch ist der rFC (allgemeines Kapitel 2.6.14 „Bakterielle Endotoxine“ ) zwar schon seit dem 1. Januar 2021 als gleichwertige, synthetische Alternative offiziell aufgenommen worden. (3, 4) Die Einführung von rFC als Standardmethode (Kapitel 2.6.32) ermöglicht bereits den Ausstieg aus dem LAL-Test für viele Anwendungen, so ist auf der Plattform der Europäischen Direktion für die Qualität von Arzneimitteln und Gesundheitsversorgung (EDQM) zu lesen. (5) Aber, anstatt den LAL-Test zu verbieten, erlaubt das Europäische Arzneibuch den Anwendern, zwischen LAL-basierten Methoden und dem rFC zu wählen, wobei "eine Validierung des Wechsels notwendig sein kann". Das Europäische Arzneibuchkommisssion hat klargestellt, dass sie keine LAL-basierten Methoden gegenüber der rFC-basierten Methode empfiehlt oder umgekehrt. 

Die Anwender seien selbst dafür verantwortlich, auf der Grundlage einer Risikobewertung und ihrer Einschätzung des potenziellen Vorhandenseins von Pyrogenen die am besten geeignete Methode auszuwählen, es sollten jedoch "sollten Überlegungen zur Nachhaltigkeit angestellt werden", so ist unter den EDQM-FAQs zu lesen. (5)

Weitere Informationen:
(1) https://www.acrobiosystems.com/i
(2) https://www.tierrechte.de/
(3) https://www.edqm.eu/en/-/european-pharmacopoeia-commission-clarifies-rfc-integration-and-future-innovation-pathways
(4) https://www.edqm.eu/en/-/recombinant-factor-c-new-ph.-eur.-chapter-available-as-of-1-july-2020
(5) https://faq.edqm.eu/pages/viewpage.action?pageId=143130673