Freitag, 20 Februar 2026 14:53

Epilepsie: mit NAMs zu besseren Therapien bei medikamentenresistenten Anfällen Empfehlung

In einem Feature im Journal Drug Discovery Today wurden unlängst neue tierfreie Ansätze (NAMs) zur Erforschung von Behandlungsmöglichkeiten bei medikamentenresistenten epileptischen Anfällen thematisiert.

Epilepsie ist eine chronische Krankheit, die vor allem durch wiederkehrende, spontan auftretende Störungen der Hirnfunktion gekennzeichnet ist, die man „Anfälle“ nennt. Diese entstehen aufgrund einer kurz andauernden vermehrten Entladung von Nervenzellen. Die Anfälle können sich durch Muskelzuckungen, Bewusstseinsstörungen oder veränderten Sinneswahrnehmungen äußern. So kann lediglich ein Arm oder Bein oder auch der gesamte Körper zucken; die Betroffenen können bei vollem Bewusstsein bleiben, nur kurz abwesend oder auch bewusstlos sein. (1) Statistisch gesehen sollen etwa 5% der Bevölkerung mindestens einmal im Leben einen epileptischen Anfall erleiden, (2) zu den Ursachen siehe unter (3). Behandelt wird die Epilepsie meist mit anfallsunterdrückenden Medikamenten (Antiepileptika). Da Epilepsie nicht heilbar ist, müssen die Betroffenen die Medikamente ihr Leben lang einnehmen. Hier können Nebenwirkungen auftreten. 

Medikamentenresistente Epilepsie betrifft etwa 20–30 % der Patienten und wird in der Regel diagnostiziert, nachdem zwei verschiedene Antiepileptika keine anhaltende Anfallsfreiheit erzielen konnten. Der Hintergrund ist noch nicht vollständig geklärt. Hier können neue tierfreiversuchsfrei Methoden ins Spiel kommen, die auf menschlichen Zellen basieren. Sie bieten einen neuen Ansatz für bisher unlösbare Probleme wie medikamentenresistente Epilepsie. Ein Forschungsteam hat z.B. einen in-vitro-Anfallshäufigkeitstest entwickelt. Bei werden Mikroelektrodenarrays (MEAs) mit aus menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnenen Neuronen mit einem Ionenkanal-Panel kombiniert. (4) Hinzu kommen AOP-Frameworks (Adverse Outcome Pathway) zur Kartierung von Anfallsmechanismen.

Diese auf menschlichen Zellen basierenden Testkombinationen bieten eine hochdurchsatzfähige, tierversuchsfreie Alternative für das frühzeitige Screening des Anfallsrisikos und trägt zur Verbesserung der Vorhersage von medikamenteninduzierten Anfällen und zur Unterstützung regulatorischer Entscheidungen bei.

Originalpublikation:
Roberts et al. (2025). Use of new approach methodologies (NAMs) in epilepsy research and seizure risk assessment. Drug Discovery Today. https://doi.org/10.1016/j.drudis.2025.104569

Quellen und weitere Informationen:
(1) Gesund.bund.de (2024). Epilepsie. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand: 18.10.2024, Online: https://gesund.bund.de/epilepsie
(2) Universitätsklinkum Freiburg, Abteilung Prächirurgische Epilepsiediagnostik – Epilepsiezentrum (2026). Was ist ein epileptischer Anfall? online: https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/fuer-patienten-und-eltern/ueber-epilepsie/was-ist-ein-epileptischer-anfall.html
(3) UCB Cares für Epilepsie (2025). Ursachen von Epilepsie. UCB Pharma GmbH, März 2025. Online: https://ucbcares.de/patienten/epilepsie/de/content/662958605/ursachen-von-epilepsie#anchor1
(4) Rockley K, Roberts R, Jennings H, Jones K, Davis M, Levesque P, Morton M. An integrated approach for early in vitro seizure prediction utilizing hiPSC neurons and human ion channel assays. Toxicol Sci. 2023 Oct 30;196(1):126-140. doi: 10.1093/toxsci/kfad087. PMID: 37632788.