Die hybride Veranstaltung zielte darauf ab, die Integration von NAMs in „Horizon Europe 2028–2034“ zu unterstützen und die Europäische Union dazu aufzufordern, ein groß angelegtes, gut finanziertes europäisches visionäres Innovations- und Forschungsprogramm ins Leben zu rufen, das der Beschleunigung der Entwicklung, Validierung und Einführung von NAMs in der biomedizinischen Forschung und bei Sicherheitsprüfungen gewidmet ist.
Anfang Juni ist die Roadmap zum Ausstieg aus den Tierversuchen für die Chemikalienbewertung von der Europäischen Kommission veröffentlicht worden. So äußerte z.B. Anton Ussi, Geschäftsführer von EATRIS ERIC, der europäischen ESFRI-Infrastruktur für translationale Medizin: „NAMs stammen von den Patienten selbst und können daher die menschliche Umgebung besser nachbilden. Sie können uns dabei helfen, die Ausfallraten zu senken. ‚Moonshot for NAMs‘ könne dazu beitragen, den Validierungsprozess zu koordinieren und zu straffen.“
Der Hauptgrund für eine fehlende Aufnahme der neuen Verfahren ist nicht fehlende wissenschaftliche Evidenz, sondern eine kulturelle und Bildungslücke, hier es in Podiumsdiskussion. Praktische Barrieren seien fehlende hochqualitative Daten, wofür es den Zugang braucht. Hier könnte ein europäisches Investment den Unterschied machen. Zudem könne eine Akzeptanz von NAMs auch die Kosten der klinischen Testung reduzieren.
Soweit stehen die meisten hinter der Umsetzung der Roadmap. Jedoch brauche es für dieses Vorhaben ein nachhaltiges Investment. Bislang habe die EU bis 2017 im Rahmen von Horizon Europe insgesamt 15 Milliarden Euro in NAMs investiert, wurde dazu mitgeteilt. Derzeit wird das nächste Programm für 2028 bis 2034 geplant. Das European Innovation Council könnte hier auch eine Rolle spielen.
EU im internationalen Vergleich unterfinanziert
Eine Basis für die Veranstaltung war das Strategiepapier zur Information von politischen Entscheidungsträgern, "A Moonshot for NAMs: Leveraging non-animal methods to position Europe as global leader in health research". Dieses wurde von der BioMed21 Collaboration verfasst, von einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, Politik- und Kommunikationsexperten. Ziel der Gruppe ist es, humanrelevante Forschung zu fördern, um dringende Gesundheitsprobleme zu lösen, die Patientenergebnisse zu verbessern, die Wissenschaft voranzubringen und die Abhängigkeit von Tierversuchen zu reduzieren. Unterstützt wird die Organisation von Ombion, DMT10, der Tissuse GmbH, dem 3R-Center Tübingen, Young TPI und weiteren.
Die BioMed21 Collaboration kritisiert, dass die EU-Strategie „Choose Europe for life sciences“ lediglich mit 10 Milliarden € jährlich aus verschiedenen EU-Förderprogrammen unterstützt werde. NAMs würden darin zwar erwähnt, deren gezielte Finanzierung sei bislang jedoch gering. Im Horizon Europe 2026–2027 Arbeitsprogramm seien aktuell nur 50 Millionen € für NAMs vorgesehen. Das entspräche einem sehr kleinen Anteil am gesamten Forschungs- und Innovationsbudget (ungefähr 10 Milliarden € pro Jahr). Im internationalen Vergleich sei die EU damit unterfinanziert und die aktuelle Finanzierung reiche nicht aus, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern sowie den Impact für Patienten und Industrie zu beschleunigen.
Moonshot: Eine Milliarde für NAMs
Die BioMed21 Collaboration schlägt ein dediziertes 1-Milliarde-€-Moonshot-Programm für NAMs im Rahmen von Horizon Europe 2028–2034 und dem European Competitiveness Fund vor. Dieses Programm soll alle Entwicklungsstufen (Technology Readiness Levels, TRLs) abdecken: von der Grundlagenforschung über Validierung und regulatorische Qualifikation bis hin zur Markteinführung und breiten Anwendung. Die Finanzierung soll gezielt Validierung, Infrastruktur, Ausbildung, gesellschaftliche Akzeptanz und die Entwicklung eines europäischen NAMs Integration Hub unterstützen.
Die Finanzierung soll dabei mit klaren Leistungsindikatoren, Governance-Strukturen und einer Koordination zwischen bestehenden EU-Förderinstrumenten verbunden werden. Die Förderung soll auch gezielt One Health-Forschung und gesellschaftliche Herausforderungen (z.B. Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, antimikrobielle Resistenzen) adressieren.
Quelle:
BioMed21_MoonShot_PolicyPaper_Dec2025
Dr. rer. nat.
Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Rheinland-Pfalz e.V.